Phänomen Fogging, Schwarzstaubablagerungen, Magic Dust ....
.... das Kind hat viele Namen


Durch das veränderte Umweltbewußtsein mit Beginn der 1990iger Jahre und der verstärkten Sensibilisierung des Verbrauchers auf Umweltreize reagierte die Baustoffindustrie mit dem Austausch der vormals verwendeten flüchtigen organischen Verbindungen durch schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC).

Diese Produkte werden als lösemittelfrei bezeichnet. Die früher verwendeten lösemittelhaltigen Produkte hatten die Eigenschaft, daß die verwendeten Lösemittel (Siedepunkt unterhalb von 200°C) in der Regel schon nach Stunden oder spätestens nach einigen Wochen vollständig ausgasten. Bei den als Ersatz eingesetzten SVOC liegt der Siedepunkt oberhalb von 200°C, beginnt das Ausgasen der SVOC zwar ebenfalls unmittelbar nach Beendigung der Renovierungsarbeiten, verbleiben aber aufgrund ihres hohen Siedepunktes länger im Material und können auch noch nach ca. drei Jahren überschüssige SVOC ausgasen. Allerdings verringern sich die Ausgasungen im Laufe der Zeit, da diese Stoffe nicht unbegrenzt im Material vorhanden sind und zum Teil auch im Material verbleiben.

Schwarzstaubablagerungen sind das Zusammentreffen verschiedener Einflußfaktoren. Das Ausgasen der „foggingaktiven“ Substanzen (SVOC) beginnt unmittelbar nach Beendigung von Renovierungsarbeiten. Diese werden aber erst in der darauffolgenden Heizperiode wahrgenommen, wenn weniger gelüftet wird und die Luftströmung (Thermik) in der Wohnung durch den Betrieb der Heizungsanlage verändert wird. Diese SVOC lagern sich dann an vorhandene Schwebstaubpartikel in der Luft an und führen zum „Zusammenkleben“ (Agglomeration) kleinerer Staubteilchen zu größeren Partikeln. Diese setzen sich in der Folge an verschiedenen Oberflächen ab, insbesondere an kühlere Außenwandflächen, an Bereichen mit baulichen Mängeln (Wärmebrücken), an Kunststoffoberflächen und im Bereich stromdurchflossener Leiter (Lichtschalter, Steckdosen, Elektrogeräte). Dies bezeichnet man als eigentlichen „Foggingeffekt“.

Daneben gibt es noch den „Klebefilmeffekt“, der bewirkt, daß Staubpartikel an weichmacherhaltigen Flächen entlangströmen und es erst an diesen Flächen zur Reaktion mit den SVOC und zur Bildung von Schwarzstaubablagerungen kommt. Abbrand von Kerzen, Zigarettenrauch und die Nutzung von Staubsaugern, bei denen ein Motordefekt vorliegt und in der Folge zusätzlich Rußpartikel an die Raumluft abgeben, erhöhen die Konzentration von Schwebstaubpartikeln in der Raumluft und sind oft Verursacher für Schwarzstaubbeaufschlagung an Weichmacherhaltigen Flächen.

Bei der Klärung der Ursachen für Schwarzstaubablagerungen in Innenräumen sind nicht nur die Inhaltsstoffe der verwendeten Bauprodukte und Raumausstattung relevant, sondern auch bauliche Gegebenheiten, die Raumnutzung und Raumklimatische Bedingungen. Diese Gegebenheiten müssen in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Die bauphysikalischen Meßwerte, wie Oberflächentemperaturen, Feuchtewerte der Bausubstanz, Raumlufttemperaturen und relative Luftfeuchtigkeiten geben Hinweise auf Wandflächen, die bevorzugt beaufschlagt werden. Hierzu gehören vornehmlich „kalte“ Wandflächen oder Wärmebrücken.

Bei der Untersuchung von Innenräumen mit Schwarzstaubablagerungen werden neben der Aufnahme von baulichen Gegebenheiten eine Haustaubprobe (gesammelter Staub im Staubsaugerbeutel), das Staubsaugerflies und Wischproben von repräsentativen Flächen entnommen. Anhand der Ergebnisse dieser Untersuchungen können falls notwendig, gezielt Materialproben, die eine SVOC-Quelle, wie sie in den Wisch- bzw. Hausstaubproben nachgewiesen wurden, entnommen werden. Das Vorhandensein von SVOCs in Baumaterialien liefert noch lange keinen Beweis, daß diese auch für die plötzlich erscheinenden Schwarzstaubablagerungen verantwortlich sind.Die Untersuchungsergeb-nisse der entnommenen Haustaub- und Wischproben geben Aufschluß darüber, welche Substanzen diese Ablagerungen begünstigt haben.

Abschließend muß festgestellt werden, daß in den meisten heutzutage verwendeten Materialien und Baustoffe foggingaktive Substanzen nachweisbar sind. Dies trifft für wenigstens 99 % aller Haushalte hier in Europa zu. Das Vorhandensein von foggingaktiven Substanzen führt wie bewiesen nicht unbedingt zu den typischen Schwarzstaubablagerungen. Vielmehr ist die Masse an vorhandenen SVOCs und die dazu führenden Auslöser relevant.

Sanierung und Vorbeugung: Bevor aufwendige Reinigungs- und Sanierungsarbeiten bei dem Vorliegen „schwarzer Wohnungen“ in Angriff genommen werden, sollte zuerst geklärt werden, ob es sich bei dem Schaden wirklich um das „Fogging“-Phänomen handelt. Dies kann i. d. R. erst nach Hinzuziehen eines Sachverständigen vor Ort beurteilt werden. Bei der Auswahl des Sachverständigen sollte unbedingt darauf geachtet werden, daß dieser mit dem Phänomen „schwarze Wohnungen“ ausreichend Erfahrung aufweist. Es ist wenig hilfreich sich für einen Sachverständigen zu entscheiden, der zwar Erfahrung über Schäden und Baumängel besitzt aber nur über geringe Kenntnisse und Erfahrungen über Raumlufthygiene verfügt. Erst wenn sich bestätigt, daß es sich bei den vorhandenen schwarzen Ablagerungen um das „Fogging“-Phänomen handelt und nicht durch andere Vorgänge, wie etwa Verbrennungsprozesse („Verrußung“) oder Schimmelpilzbefall (der ebenfalls schwarz aussehen kann) verursacht wurde, kann die konkrete Ursachensuche (wie oben beschrieben) erfolgen.

Bei der Beseitigung der Schäden reicht es häufig aus, einzelne Einflußfaktoren, die zur Entstehung geführt haben, abzustellen. Wichtig ist, bei einer Neurenovierung oder Neueinrichtung auf die Auswahl der Einsatzstoffe zu achten, die Beseitigung von Baumängeln (sofern sie vorliegen) vor zu nehmen und eine Änderung der Heiz- und Lüftungsgewohnheiten herbei zu führen.

Aufpassen! Bloßes Überstreichen der Ablagerungen hilft nicht! Spätestens nach einigen Wochen sind die alten Ablagerungen an die Oberfläche durchdiffundiert und die Arbeiten waren umsonst.